Repräsentation neu denken durch das Mehr-als-Menschliche

Was gilt als sinnvolle Vertretung des Mehr-als-Menschlichen?
In Australien, im asiatisch-pazifischen Raum und international entstehen neue Wege der Regierungsführung. Flüsse werden als juristische Personen anerkannt. Indigene Rechtsordnungen gestalten die Verwaltung von Land und Wasser neu. Bürgerräte erweitern die demokratische Teilhabe. Die Gerechtigkeit gegenüber mehreren Spezies hält Einzug in die institutionelle Debatte.
Gleichzeitig ist das Vertrauen in demokratische Institutionen ungleichmäßig und oft fragil. Viele Gemeinschaften empfinden die Vertretung als unvollständig, distanziert oder strukturell eingeschränkt.
Diese Spannungen werfen eine tiefgreifendere Frage auf.
Moderne demokratische Systeme wurden weitgehend entwickelt, um konkurrierende menschliche Interessen innerhalb industrieller, wachstumsorientierter politischer Ökonomien zu vermitteln. Die Vertretung wurde um individuelle Ansprüche herum strukturiert, die durch Wahl- und Beratungsmechanismen aggregiert wurden.
Aber menschliche Leben sind keine isolierten Interessen. Sie sind eingebettet in Beziehungen zu Land, Wasser, Infrastrukturen, Ökonomien und zukünftigen Generationen. Wenn sich die Vertretung eng auf individuelle Präferenzen konzentriert, kann sie die relationalen Bedingungen übersehen, die eine sinnvolle Beteiligung überhaupt erst ermöglichen.
- Wie würde Demokratie aussehen, wenn sie auf Interdependenz statt auf Autonomie beruhen würde?
- Wenn Vertretung nicht nur als Vertretung von Interessen verstanden würde, sondern als Institutionalisierung von Beziehungen der Fürsorge, Gegenseitigkeit und Kontinuität über Generationen und Arten hinweg?
- Wenn politische Subjektivität im Lichte der ökologischen Einbettung neu überdacht würde?
Über die Veranstaltung
Diese Veranstaltung bringt zwei Bereiche in einen Dialog, die selten nachhaltig aufeinandertreffen:
- Demokratische Innovation, deliberative Systeme und Repräsentationstheorie
- Rechte der Natur, indigenes Recht, Flussbewirtschaftung und Gerechtigkeit für mehrere Arten
Beide Bereiche setzen sich auf unterschiedliche Weise mit den Grenzen der überlieferten demokratischen Formen auseinander. Der eine Bereich versucht, die Beteiligung zu vertiefen und die Stimmen zu pluralisieren. Der andere versucht, neu zu definieren, wer und was innerhalb institutioneller Rahmenbedingungen repräsentiert werden kann.
Gemeinsam eröffnen sie einen Raum, um darüber nachzudenken, ob wir Zeugen einer schrittweisen Reform oder der ersten Konturen eines relationaleren demokratischen Paradigmas sind.
Dieses Gespräch ist explorativ und zukunftsorientiert. Es gibt keine feststehenden Antworten. In ganz Australien und darüber hinaus experimentieren Regierungen, zivilgesellschaftliche Organisationen, indigene Führer und Wissenschaftler mit neuen Modellen. Diese Veranstaltung schafft einen Raum, um zu untersuchen, was diese Alternativen über die Zukunft der Repräsentation aussagen.
Über das Projekt
Diese Zusammenkunft ist Teil eines laufenden Kooperationsprojekts, das eine Typologie neu entstehender Verfahren der nicht-menschlichen Repräsentation und Beteiligung entwickelt und damit die Grundlage für mehr als menschliche demokratische Innovationen schafft. In Zusammenarbeit mit dem Centre for Deliberative Democracy, dem Knowledge Network on Climate Assemblies (KNOCA) – unterstützt vom Centre for Animals and Social Justice, Participedia und der University of Westminster.
Es diskutieren
Hans Asenbaum
Direktor, Centre for Deliberative Democracy. Seine Forschung befasst sich mit demokratischer Pluralisierung, Repräsentation und mehr als menschlicher Demokratie.
Danielle Celermajer
Stellvertretende Direktorin des Sydney Environment Institute, international anerkannt für ihre Arbeit zur Förderung der Institutionalisierung von Multispecies Justice und mehr als menschlicher Regierungsführung.
Erin O’Donnell
International anerkannt für ihre Arbeit zu den gesetzlichen Rechten von Flüssen und der relationalen Repräsentation in der Wasserpolitik, einschließlich ihrer Rolle im Birrarung Council.
Fern Hames
Direktorin für kulturelles Landmanagement beim Taungurung Land & Waters Council, arbeitet in Partnerschaft mit den traditionellen Eigentümern der Taungurung an der Förderung einer restaurativen, ortsbezogenen Governance kultureller Landschaften.
Claudia Fernandez de Cordoba Farini
Gründerin von Living Imaginaries und Doktorandin an der UCL, die sich mit Multispecies Justice, demokratischer Innovation und institutioneller Transformation in den Bereichen Meeres-, Lebensmittel-, politökonomische, Biodiversitäts- und Gesundheitssysteme befasst.
Andi Stapp-Gaunt
Maori-niederländische Schriftstellerin, Pädagogin und Doktorandin an der University of Canberra, deren Arbeit sich mit der Verbundenheit zwischen Menschen und Nicht-Menschen anhand indigener Forschungsmethoden und feministischer Multispezies-Theorie befasst. In ihrer kreativen Praxis experimentiert sie mit dem „Geschichtenerzählen mit Kaninchen” und stellt dabei relationale Kreativität und das Geschichtenerzählen zwischen verschiedenen Spezies in den Vordergrund.
Hinweis
Die Veranstaltung beginnt um 14:30 Uhr AEDT (4:30 Uhr MEZ)